Scheidungsverfahren

Wenn Sie sich vom Partner/in getrennt haben, können Sie i.d.R. nicht sofort Scheidung einreichen.

Dazu muss prinzipiell vorher ein Trennungsjahr abgelaufen sein. Bei einer Trennung innerhalb der Ehewohnung müssen alle Gemeinsamkeiten weitestgehend aufgehoben sein, d.h., keiner darf dem Anderen mehr Versorgungsleistungen erbringen, wobei wenige Ausnahmen kein Problem sind.

Nach Ablauf des Trennungsjahres können wir für Sie den Antrag auf Scheidung einreichen und zwar in der Regel beim Familiengericht am Ort der letzten gemeinsamen Wohnung. Wenn ein Ehepartner mit einem oder mehreren minderjährigen Kindern inzwischen aber woanders lebt, dann ist der Antrag dort einzureichen. Er wird dem anderen Ehepartner förmlich zugestellt, wobei das Zustelldatum für mehrere Folgesachen entscheidende Bedeutung hat.

Sie erhalten weiter vom Gericht über uns die Formulare betreffend die Fragebögen zu Ihren bisherigen Altersanwartschaften oder schon laufenden Rentenbezügen, denn im Rahmen des Scheidungsverfahrens wird von Amts wegen nur der sog. Versorgungsausgleich (Ausgleich der Renten und Rentenanwartschaften) geregelt, also nicht der Unterhalt und auch nicht der evtl. vorzunehmende güterrechtliche Ausgleich. Diese werden nur auf besonderen Antrag Gegenstand des Scheidungsverfahrens!

Das Gericht holt also auf Basis der von Ihnen ausgefüllten Formulare die Auskünfte über Ihre Rente/Rentenanwartschaften ein, was einige Monate dauern kann. Erst nach Eingang der Auskünfte der Rententräger bestimmt das Gericht einen Schlusstermin (oft ist das der erste oder einzige Termin) zur Anhörung beider Ehegatten. Sofern keine weiteren finanziellen Folgen zu regeln sind, und Sie sich über das Umgangsrecht mit den Kindern mit dem anderen Elternteil direkt verständigen, kann das Gericht schon am Ende des Termins das Scheidungsurteil verkünden.

Wie lange das Scheidungsverfahren bis zur Rechtskraft des Scheidungsurteils geht, hängt stark davon ab, wie komplex die Fragen zum Versorgungsausgleich sind, oder ob sonstige, evtl. als Verbund mit der Scheidung geltend gemachte Folgesachen (wie zB Unterhalt) zu entscheiden sind. Es kann also im besten Fall wenige Monate, aber auch einmal ein Jahr und länger gehen, dies sollte aber die Ausnahme sein.

Nun noch ein Beispiel für die Kosten für ein Scheidungsverfahren (ohne Regelung weiterer Folgesachen):

Wenn ein Partner zB monatlich netto EUR 2.300,00, und der andere EUR 1.900,00 monatlich netto verdient, muss man mit Anwaltskosten von ca. EUR 1.500,00 zzgl. Mwst. rechnen, weiter Gerichtsgebühren in Höhe von etwas über EUR 530,00, letztere sind am Ende des Verfahrens von der Antragsgegnerseite zur Hälfte zu erstatten.